Daten & Fakten

Daten & Fakten zur Biotech-Branche im Überblick

Wie steht es um die deutsche Biotechnologie-Branche? Wie entwickeln sich die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen wie Umsatz, F&E-Investitionen, Mitarbeiter oder Finanzierung? Wie sieht es mit der Gründungsdynamik und den inhaltlichen Tätigkeitsschwerpunkten der Branche aus? Diese Rubrik liefert einen umfassenden Einblick in zentrale Daten und Fakten zu börsennotierten und privaten Biotech-Unternehmen in Deutschland. 


1. Kennzahlen der deutschen Biotech-Branche – Einführung

Die deutsche Biotech-Industrie hat sich zu einem dauerhaften Global Player entwickelt, der mehr Umsatz als je zuvor erwirtschaftet und eine wachsende Zahl von Menschen beschäftigt. Auch für Forschung und Entwicklung stand deutlich mehr Geld zur Verfügung als in den Vorjahren. Das zeigt die Biotech-Statistik 2021 der BIOCOM AG, die im Frühjahr die Kennzahlen des Jahres 2020 erhoben hat. Seit mehr als 35 Jahren begleitet BIOCOM die Entwicklung der Biotechnologie-Branche in Europa. Seit 2005 werden jährlich die wichtigsten Kennzahlen der deutschen Biotechnologie-Unternehmen erhoben und nach den Kriterien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert. Lediglich 2019 wurde die Datenerhebung aufgrund von COVID-19 ausgesetzt. Die im Folgenden genannten Zahlen und Grafiken beziehen sich auf solche Firmen, die von der OECD als „dedizierte“ Biotech-Unternehmen definiert werden (mehr Informationen zur Methodik siehe Reiter 10).

Die Zahlen für 2020 belegen, dass die Biotech-Branche aktuell einen großen Wachstumsschub erlebt – nicht zuletzt aufgrund der hohen Nachfrage durch die COVID-19-Pandemie. Die Branche konnte zeigen, dass sie in der Lage ist, ihr technologisches und wissenschaftliches Know-how in konkrete Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. In fast allen Kategorien sind die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen deutlich gestiegen. Die Vielfalt der Tätigkeitsfelder, Themen und Kompetenzen ist groß, auch wenn das Jahr 2020 vor allem das Wachstumspotenzial im medizinischen Bereich deutlich gemacht hat. Dies gilt etwa für Impfstoffe und deren Herstellung sowie für die Diagnostik. In diesen Bereichen konnten viele mittelständische und familiengeführte Unternehmen profitieren.

Auch in anderen Tätigkeitsfeldern wird immer deutlicher, dass die Biotechnologie bereits eine entscheidende Rolle spielt. Beispielsweise wenn es um alternative Proteine als maßgebliche Ergänzung der Nahrungsversorgung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung geht. Im Bereich nachhaltiger Verpackungen und Materialien bieten biotechnologische Anwendungen ebenso innovative und klimafreundliche Lösungen wie im Bereich nachhaltige Textilien oder bei Waste-to-Value-Ansätzen in einer Circular Economy. Auch die rasanten Entwicklungen in den Bereichen In-vitro-Fleisch oder bei biobasierten Kunststoffen zeigen das enorme Potential biotechnologischer Innovationen über den medizinischen Bereich hinaus.


2. Umsatzentwicklung in der deutschen Biotech-Branche

Die 736 deutschen dedizierten Biotech-Unternehmen haben im Jahr 2020 im Vergleich zu den Zeiten vor der COVID-19 Pandemie im Jahr 2018 ein großes Wachstum erzielt. Die Branche hat damit bewiesen, dass sie auch in Krisenzeiten in der Lage ist, hohe Umsätze zu generieren. Viele deutsche Biotech-Unternehmen haben inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht, der sich entsprechend niederschlägt.

Erstmals hat der Branchenumsatz die Sechs-Milliarden-Euro-Hürde übersprungen, und das nicht zu knapp. Er lag 2020 bei 6,7 Mrd. €. Dies entspricht einem Zuwachs von fast 50% gegenüber dem Prä-COVID-19-Jahr 2018. Dieses Wachstum ist insbesondere auf die mit Impfstoffen sowie Diagnostika und damit verbundenen Dienstleistungen zurückzuführen, die 4,8 Mrd. EUR für den Gesundheitssektor ausmachen. Aber auch nicht-spezifische biotechnologische Dienstleistungen (1,4 Mrd. €) sowie Unternehmen mit Schwerpunkt industrielle Biotechnologie (358 Mio. €) verzeichneten ein deutliches Umsatzplus.

3. Tätigkeitsfelder der Biotechnologie-Firmen

Bis Ende 2020 wurden insgesamt 736 deutsche Biotech-Unternehmen gezählt (2018: 679). Die Hälfte (52%) konzentriert ihre Aktivitäten auf den Gesundheitsbereich, indem sie entweder neue Therapeutika, Diagnostika oder Impfstoffe entwickelt oder an dafür relevanten Technologieplattformen arbeitet. Etwa ein Drittel (30%) der Unternehmen erbringt Dienstleistungen für andere und etwas mehr als 10% beschäftigen sich mit der industriellen Biotechnologie. Nur ein kleiner Teil der deutschen Biotech-Branche ist in der Agrarbiotechnologie tätig. 5% haben einen Fokus auf Bioinformatik.


4. Fokus auf medizinische Biotechnologie

Die Mehrheit der Biotech-Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen oder neuen Diagnostika. 383 Unternehmen (52%) beschäftigen sich mit medizinischen Themen und gehören damit zur „roten“ Biotechnologie. Mit der COVID-19-Pandemie, die ganz oben auf der Agenda stand, hat sich dieser Trend noch verstärkt, so dass in diesem Segment ein besonders starker Anstieg des Umsatzes und der Beschäftigtenzahl beobachtet werden konnte.

Konstante Anzahl an Therapie-Entwicklern

Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass die medizinischen Biotechnologie-Unternehmen in der Lage sind, effiziente Lösungen für die Bekämpfung einer weltweiten Pandemie zu liefern und innovative Präventionsstrategien, Diagnostika und therapeutische Behandlungsmöglichkeiten in einer Geschwindigkeit bereitzustellen, die es im Biotechnologiesektor bisher nicht gab. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Indikationen, in denen neue therapeutische Ansätze entwickelt werden.

Insgesamt 64 Biotechnologie-Unternehmen haben im Jahr 2020 einen oder mehrere Kandidaten in der klinischen Entwicklung. BioNTech und CureVac mögen derzeit die bekanntesten sein, aber sie sind bei weitem nicht die einzigen vielversprechenden und attraktiven Akteure im weiten Feld der Impfstoff- und Therapeutika-Entwickler.

Klinische Pipeline

In der Summe waren im Jahr 2020 bei den 64 Therapie-Entwicklern zum Stand Oktober 2021 insgesamt 112 biologisch aktive Substanzen in einer der drei Entwicklungsphasen (2018: 105). Ein Kandidat befand sich im Zulassungsprozess.

Die Anzahl der zugelassenen Impfstoffe und Therapeutika hat sich damit von 14 auf 16 erhöht. Unter den zwei neu zugelassenen Arzneimitteln befindet sich das von BioNTech entwickelte mRNA-basierende Corona-Virus Vakzin BNT162b, welches weltweit die erste Marktzulassung im Dezember erhalten hat sowie das von PAION entwickelte Sedativum Remimazolam. Letzteres wurde in den USA, der EU/EWR, China, Japan und Südkorea für die Allgemeinanästhesie zugelassen.

Unternehmen mit Fokus auf Technologieplattformen

Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen (210) im Gesundheitsbereich hat entweder Medikamentenkandidaten in der sehr frühen Pipeline, die sich noch in der präklinischen Phase der Arzneimittelentwicklung befinden, oder entwickelt Technologieplattformen, die für verschiedene Einsatzgebiete in der medizinischen Biotechnologie einsetzbar sind. Die Zahl dieser Unternehmen hat seit 2015 signifikant zugenommen. Dies zeigt, dass es immer noch genügend Nachschub im Bereich der medizinischen Biotechnologie gibt.

Bedeutung der Diagnostik steigt

Die Pandemie hat auch gezeigt, dass es nicht ausreicht, sich auf therapeutische Strategien zu konzentrieren. Die Bedeutung der Diagnostik wurde 2020 sehr deutlich und ist nicht nur auf Corona-Tests beschränkt. Ein stetig wachsender Teil des Biotech-Sektors (110 Unternehmen) widmet sich der Entwicklung von Diagnostika. Experten prognostizieren, dass die stratifizierte und individualisierte Medizin dieses Segment in Zukunft weiter in den Vordergrund rücken wird. Für viele Krankheiten wird es nicht nur wichtig sein, eine gezielte Therapie zu finden, sondern auch eine schnelle und nicht-invasive Diagnosemöglichkeit zu bieten. In Kombinationen mit digitalen Möglichkeiten können dann auch ganz neue Formen der Präzisionsmedizin zur Anwendung kommen. Darüber hinaus können Vorhersagen über die Wirkung eines Medikaments („Companion Diagnostics“) Nebenwirkungen deutlich reduzieren und Fehlbehandlungen vermeiden. Im Jahr 2020 erzielten die 110 Diagnostik-Unternehmen einen Umsatz von 2,8 Mrd. € (+39%; 2018: 2 Mrd. €), das sind fast 60% des Umsatzes aller Unternehmen im Gesundheitssektor.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (291 Mio. €) blieben auf dem Niveau von 2018 (269 Mio. €). Auch Investoren zeigten Vertrauen in die Diagnostika-Entwickler, nicht nur in Bezug auf COVID-19, sondern auch im Hinblick auf den Einsatz neuartiger Werkzeuge wie künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. Ein weiterer interessanter Bereich sind beispielsweise Blutzuckermessungen für Diabetespatienten und andere biomarkerbasierte Diagnostika. Die datengetriebene Präzisionsmedizin wird diese Entwicklung noch weiter vorantreiben.

5. Dienstleistungen und industrielle Biotechnologie als Wachstumsmotor

Mit 223 Unternehmen bildet der Bereich der nicht-spezifischen Dienstleistungen die zweitgrößte Säule der deutschen Biotech-Branche. Zu diesem Segment gehören alle Unternehmen, die Geräte und Reagenzien oder Dienstleistungen anbieten, die überwiegend auf biotechnologischen Grundlagen basieren. Dazu zählen auch Auftragshersteller und Biomanufacturing-Experten. Im Jahr 2020 konnten die Unternehmen das starke Umsatzwachstum des Jahres 2018 noch einmal toppen. Knapp anderthalb Mrd. € Umsatz (1,41 Mrd. €) wurden in diesem Segment erzielt, was einer Steigerung von 38,5% gegenüber 2018 (1,01 Mrd. €) entspricht.

Auch die F&E-Ausgaben (151,1 Mio. €) sind gegenüber 2018 um fast ein Drittel (29%) gestiegen, und es wurden fast 1.000 Mitarbeiter (8.480; 2018: 7.540 Beschäftigte) mehr beschäftigt. Dieses Segment zeigt ein kontinuierliches Wachstum innerhalb der deutschen Biotech-Branche und erwies sich als eine der tragenden Säulen für die rasche Aufnahme der Impfstoffproduktion und damit zur effizienten Bekämpfung der Pandemie.

Industrielle Biotechnologie auf dem Vormarsch

Industrielle Anwendungen für verschiedene Branchen entwickeln 74 Biotechnologie-Unternehmen (2018: 69 Unternehmen) in Deutschland. Ihre Zahl wächst nur langsam, dennoch ist die Bedeutung der industriellen Biotechnologie deutlich höher als es die Zahl der Unternehmen vermuten lässt. Die Entwicklungen in der industriellen Biotechnologie in Deutschland sind einhergegangen mit der stetig wachsenden Nachfrage nach alternativen Lösungen etwa im Nahrungsmittelbereich, beispielsweise durch Fermentation alternativer Proteine oder auch im Bereich nachhaltiger Materialien für die Industrie oder im Textilsektor. Obwohl die Zahl der Unternehmen in den letzten beiden Jahren nur leicht gestiegen ist, verzeichneten sie ein Umsatzplus (358 Mio. €, +14%). Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 1.890 (2018: 1.820 Mitarbeiter) auf einem ähnlichen Niveau wie 2018. Zu den Highlights in diesem Bereich gehören Unternehmen, die in der sogenannten zellulären Landwirtschaft tätig sind. Sie züchten tierische Produkte direkt aus Zellen oder mithilfe von Mikroorganismen und setzen zudem stark auf die Möglichkeiten der Präzisionsfermentation. Fisch, Fleisch oder Molekereiprodukte können damit künftig im Labor hergestellt werden, statt Nutztiere aufzuziehen, zu nutzen und zu schlachten.

Agrobiotechnologie stabil auf geringem Niveau

Die Anwendung der Biotechnologie in der Pflanzenzüchtung und in der Landwirtschaft ist im Laufe der Jahre zurückgegangen und hat sich seit 2015 auf niedrigem Niveau stabilisiert. Die 19 Unternehmen (2018: 20 Unternehmen) in diesem Segment beschäftigten im Jahr 2020 420 Personen und erwirtschafteten einen Umsatz von 38,4 Mio. € (2018: 440 Beschäftigte, 35,5 Mio. € Umsatz).

6. Ausgaben für Forschung & Entwicklung

Aufgrund der Erfolge bei der Entwicklung neuer Impfstoffe und Diagnostika zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie war im Jahr 2020 ein deutlicher Anstieg der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) zu verzeichnen. Mit 2,1 Mrd. € (+79% gegenüber 2018) wurde erstmals die Zwei-Milliarden-Grenze deutlich überschritten.

Die Unternehmen des Gesundheitssektors verdoppelten ihre F&E-Investitionen (1,9 Mrd. €) im Vergleich zu 993 Mio. € im Jahr 2018, was fast 90% der gesamten Forschungsinvestitionen der Biotech-Branche ausmacht. Dies spiegelt die hohe Bedeutung der Impfstoff-, Arzneimittel- und Diagnostikentwicklung nicht nur für COVID-19-bezogene Indikationen wider. Beeindruckend ist auch die Forschungsquote: Die "roten" Biotech-Unternehmen haben rund 40% ihres Umsatzes in die Forschung reinvestiert. Betrachtet man nur die 64 Unternehmen mit therapeutischen Kandidaten in der klinischen Entwicklung, so liegt die Forschungsquote sogar bei 70%. Diagnostik-Entwickler haben 2020 insgesamt 291 Mio. € ausgegeben und liegen nur leicht über dem Niveau von 2018 (269 Mio. €).

Doch auch die Unternehmen der industriellen Biotechnologie beziehungsweise die biotechnologischen Dienstleister legten bei ihren F&E-Ausgaben kräftig zu (23% bzw. 29%). Obgleich hier Zwei-Jahres-Zeiträume betrachtet werden, sind die Wachstumssprünge enorm. In den Jahren 2008 bis 2012 hatten die Wachstumsraten negative Vorzeichen. Erstmals gestiegen sind sie 2013, bis 2018 allerdings bewegten sich die Sprünge im niedrigen einstelligen Bereich.

7. Gründungsdynamik

Die Gründungsdynamik der Biotech-Branche hat sich in den vergangenen Jahren ungebrochen fortgesetzt. Nach Ablauf des ersten Quartals 2021 waren bereits 25 Neugründungen für das Jahr 2020 bekannt. Wie bereits in den vergangenen Jahren dominierten bei den Gründungen erneut Start-ups aus dem medizinischen Bereich (14), zwei kommen aus dem Bereich der Bioinformatik, zwei weitere befassen sich mit der industriellen Biotechnologie und sieben widmen sich den unspezifischen biotechnologischen Dienstleistungen. Da sich viele Gründungen erfahrungsgemäß noch über den Jahresverlauf rückwirkend für das Jahr manifestieren, ist von einer größeren tatsächlichen Gründungszahl auszugehen. Es bleibt abzuwarten, ob die hohen Zahlen von 2019 für 2020 erneut erreicht werden können.

8. Finanzierungsquellen im Überblick

COVID-19 wirkte sich insbesondere auf die Finanzierungssituation aus. Dreistellige Millionenbeträge waren in der deutschen Biotech-Branche bisher äußerst selten, in den Sommermonaten 2020 jedoch konnten sowohl BioNTech als auch CureVac mehrere Finanzierungen in dieser Größenordnung für sich verbuchen, was die Gesamtsumme aller eingeworbenen Finanzierungen deutlich ansteigen ließ. Mit 2,2 Mrd. € erreichte sie 2020 einen neuen Höchstwert. Insgesamt 1,12 Mrd. € konnten die börsennotierten Unternehmen über Kapitalerhöhungen an der Börse einwerben. Die privaten Firmen sammelten insgesamt 886 Mio. € bei Investoren ein.

Top-Finanzierungen über die Börse

Der Börsengang von CureVac an die US-Technologiebörse Nasdaq im August 2020 trug insgesamt 200 Mio. € zum Gesamtvolumen der börsennotierten Firmen bei. Das deutsch-amerikanische Unternehmen Immunic, das sich auf die Behandlung chronischer Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen konzentriert, konnte 2020 mit drei Kapitalerhöhungen insgesamt 125 Mio. € über die Börse einnehmen. Das Unternehmen hat drei Kandidaten in der klinischen Pipeline. Der am weitesten fortgeschrittene Kandidat IMU-838 befindet sich in klinischen Phase-II-Studien mit stationär behandelten COVID-19-Patienten. Außerdem wird er zur Behandlung schubförmig remittierender Multipler Sklerose, Colitis Ulcerosa und – in Kooperation mit der Mayo Clinic in den USA – bei primär sklerosierender Cholangitis erprobt.

Top-Finanzierungen der privaten Biotech-Unternehmen

Neben den Finanzierungen von BioNTech und CureVac sorgte hier die in Berlin ansässige T-Knife GmbH mit einer Finanzierung von 66 Mio. € für Schlagzeilen. Das aufgenommene Kapital soll für die Weiterentwicklung ihrer T-Zell-Therapien der nächsten Generation zur Behandlung solider Tumore verwendet werden. Das in München ansässige Unternehmen CatalYm, das sich auf die Entwicklung neuartiger Krebsimmuntherapeutika konzentriert, schloss 2020 eine Serie-B-Finanzierungsrunde über 50 Mio. € ab. Mit dem Kapital soll die Pipeline des Unternehmens in Richtung klinische Testung weiter vorangetrieben werden.

9. Biotech-Branche als Arbeitgeber

Insgesamt 27.200 Arbeitsplätze wurden 2020 (2018: 23.540) bei den dedizierten Biotech-Firmen gezählt, das entspricht einem Plus von gut 13%. Die Mehrzahl der Mitarbeiter im Jahr 2020 war in den Bereichen Gesundheit (15.920) sowie nicht-spezifische Dienstleistungen (8.480) beschäftigt. Es folgen die industrielle Biotechnologie (1.890), die Bioinformatik (490) sowie Agrobiotechnologie (420) mit deutlichem Abstand.


10. Methodik und Hintergrund

Die hier genutzten Daten und Fakten entstammen der von der BIOCOM AG jährlich durchgeführten „Biotech-Statistik“. Diese nutzt hierfür die Vorgaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OCED). Im Dezember 2004 hat die OECD die Vielzahl der existierenden Definitionen für die Biotechnologie harmonisiert. Seitdem sind alle OECD-Länder aufgerufen, Erhebungen zur Biotechnologie am sogenannten „Framework for Biotechnology Statistics“ zu orientieren (www.oecd.org). Die OECD unterscheidet innerhalb der Biotech-Branche zwei verschiedene Kategorien von Unternehmen: „dedizierte Biotechnologie-Unternehmen“ auf der einen Seite und „sonstige biotechnologisch aktive Unternehmen“ auf der anderen Seite. Erstere sind laut der OECD-Definition biotechnologisch aktive Unternehmen, deren wesentliche Unternehmensziele die Anwendung biotechnologischer Verfahren zur Herstellung von Produkten oder der Bereitstellung von Dienstleistungen oder der Durchführung biotechnologischer Forschung und Entwicklung sind.

Im Gegensatz zu dieser Art von dedizierten Biotech-Unternehmen liegt das wesentliche Unternehmensziel eines „sonstigen biotechnologisch aktiven Unternehmens“ nicht ausschließlich in der Anwendung biotechnologischer Verfahren. Die OECD beschreibt damit Unternehmen, bei denen die Biotechnologie nur einen Teil des Geschäfts- und Tätigkeitsfeldes ausmacht, wie beispielsweise bei Pharma- und Chemieunternehmen oder Saatgutherstellern.

Für die Zwecke der Biotech-Statistik hat BIOCOM einen Fragebogen erarbeitet, der auf den zuvor erläuterten OECD-Definitionen beruht. Zwischen Januar und März 2020 wurden insgesamt 816 Unternehmen angeschrieben. Die Auswahl der für die Erhebung angeschriebenen Unternehmen erfolgte unter Berücksichtigung der OECD-Definition in Abgleich mit der Unternehmensdatenbank der BIOCOM AG. 512 der befragten Unternehmen antworteten entweder per Fragebogen oder nach telefonischer Rückfrage. Die Rücklauf- beziehungsweise Verifizierungsquote beträgt damit 62%.

Entsprechend den OECD-Richtlinien wurde bei der Auswahl der Firmen darauf geachtet, alle Unternehmen zu erfassen, die sich in Deutschland mit Biotechnologie beschäftigen und hierzulande ansässig sind. Deshalb wurden auch solche Firmen berücksichtigt, die sich im Mehrheitsbesitz eines nicht-deutschen Mutterkonzerns befinden, aber in Deutschland F&E-Aktivitäten haben. Bei der Erfassung der Arbeitsplätze, Geschäftszahlen und Geschäftsfelder wurde die Befragung nur für die deutschen Standorte eines Unternehmens durchgeführt. Hat ein Unternehmen mehr als einen Standort in Deutschland, wird es nur einmal mit entsprechend kumulierten Werten berücksichtigt.

Alle Informationen zur Biotech-Statistik-Publikation der BIOCOM AG gibt es hier: https://biocom.de/deutsche-biotech-branche-waechst-rasant/